paragleiten - sommersaison 2002

Hier also meine Aus- und Streckenflüge der in der Saison 2002: Hausberg und Dauerbrenner Gampersberger-Tausing-Liezen (30.04.), Zielflug Gamper-Grimming (06.05.), Emberger Alm (14.06.02, 102 km), Stoder->Liezen->Stoder (20.08.02, 75 km), 8. Rottenmanner-Tauern Adventure Race (25.08.2002; obi wie a Stan...) und Dune da Pyla (F, 16.09.2002-20.09.2002; zur größten Sanddüne Europas).

Auf Vorschau-Bild klicken, um die Aufnahmen in voller Pracht zu geniessen.
Die Panorama-Bilder haben eine höhere Auflösung, um wenigstens einen halbwegsen Eindruck vom Erleben der Vogelperspektive zu erlangen - Größe bis zu 120 kB!

Gampersberger - Tausing - Liezen 30.04.2002:

So skeptisch bin ich bisher noch nie einen Flugtag angegangen. Ich hatte drei mal mit Tom Fasching telefoniert, bevor ich mich dazu entschied, die Arbeit für heute ruhen zu lassen. Schließlich waren doch Höhenwinde mit bis zu 60 km/h prognostiziert, am Vortag hatte es noch aus Kübeln geschüttet und in Rottenmann wollte der Himmel einfach nicht aufreissen - wahrlich nicht die besten Paragleit-Bedingungen.
Doch das Ennstal lehrte uns auch diesmal, dass hier etwas andere Naturgesetze herrschen...

Um 13.40 traf ich Tom schließlich auf dem Parkplatz vor der Tennishalle. Schon auf halbem Weg bergwärts meldete sich unser Staatsmeister 2001 Gerhard Gassner per Fon und teilte uns mit, dass er ebenfalls Richtung Gampersberger unterwegs war. Wir drehten kurzerhand um und lasen ihn ebenfalls bei der Tennishalle auf...
Auf der Startwiese angelangt, blies uns schon ein nettes S-N-gerichtetes Lüftchen entgegen - eine wahre Genugtuung nach nach vier Wochen schlechtwetterbedingter Paragleit-Abstinenz... *g*

Tom selbst wahr ja sehr heiss auf den ersten Flug mit seinem neuen Pro-Design Titan. Hat er im Winter noch den Pro-Ject (2-3er) testgeflogen (siehe Flugbericht hier...), entschied er sich letztendlich doch für die Intermediate-Variante Titan (DHV 2er), doch dem Design (gold-weiss) ist er treu geblieben.

Und fürwahr titanisch auch der Anblick in der Luft...

 

Durch den respektablen Südwind (ca. 15-25 km/h) vom Tal ging es relativ rasch auf eine Höhe von etwa 1500m. Zeit die Kamera auszupacken und den frischgebackenen Schirmbesitzer vor unserer herrlichen Ennstal-Kulisse abzulichten...

Trotz der starken WNW-Höhenströmung war bis etwa 1400m nur die Süd-Komponente für den Flug maßgeblich. Es war also nur eine Frage der Zeit bzw. Höhe, bis man von der Höhenströmung mitgenomen wurde.

Gassi krubelte als erster auf etwa 1800m auf zielte gleich Richtung Salberg wo er aber mit großem Höhernverlust ankam und gleich wieder einen Hangkonturenflug zurück zu unseren Thermikschläuchen antrat.

Ein erhebendes Gefühl als Fluganfänger über dem amtierenden Staatsmeister zu kurbeln...

...doch die Freude währte nicht lang. Denn er kam schon wieder in staatsmeisterlicher Manier mit 7-Meilen-Flügeln die Luft hochgeklettert und bald zogen wir auf selber Höhe unsere Kreise.

Der etwas tiefer fliegende Tom hatte sein Speedsystem mehrmals aus- und eingehängt um es optimal auf den Titan zu einzustellen.
Mit meinem brandneuen Alinco-Funkgerät und eingebautem Headset blieben wir stets in Kontakt - eine der lohnendsten Investitionen bisher, da es ungleich mehr Spass beim Krubeln bringt und die Kommunikation bzgl. Streckenentscheidung doch erheblich vereinfacht wird...

Blick über Hinteregg von etwa 1700m nach Nord-Ost Richtung Wurzerkampl (1706m) und auf den darunterliegenden Knauf Gips-Bruch.

Rechts der große Pyhrgas (2244m).

Dann wagte Gassi den Flug Richtung Angern. In Anbetracht der Tatsache, dass eine - nicht nur optisch - sehr starke NW-Höhenströmung über die Angern zog, wir uns also in dieser Höher wieder in Lee-Thermik befanden, wartete ich erstmal in Ruhe ab.

Relativ viel Höhe abgebaut, kam er mit seinem Flying Planet Whisper ungefähr halbhoch an der Südflanke des Nazogl (2057m) an. Dort jedoch spiralte er sich nach kurzer Thermiksuche auf über Gipfelhöhe hinauf und:
Die Kappe stand weitgehend stabil!

Das war das Zeichen für mich, es unserem Gleitschirm-Profi nachzutun. Und tatsächlich - in Felsnähe war es schon verdächtig ruhig und relativ gutmütige Lee-Bärte verhalfen mir ebenfalls zu schnellem Höhengewinn.
150m unter Grat war ich dann auf alles gefasst, aber die wenigen Klapptendenzen waren durch schnelle Korrekturen kein wirkliches Thema und so schloss ich bald zu Gassi auf, der mir den Weg Richtung Tausing zeigte:
Weiter gings über die Weissenbacher Mauern und Hochtor Richtung Hochtausing. Dort traten wir schon gegen den stärkeren WNW-Gegenwind an, der ein Vorwärtskommen nur schwer ermöglichte - ohne Speed-System wär kaum was gegangen...

Am Tausing selbst kam ich mit relativ geringer Höhe an und so hatte ich nur eine Chance, dessen Südseite nach Thermik abzugrasen, bevor ich mir eine Aussenlandung am Bergfuss suchen hätte müssen. Mit nur mehr ca. 30m über Bergfuss-Grund stieg ich dann in einen mächtigen Leebart mit 4m/s konstantem Steigen ein und schraubte mich so, stets sehr eng in einer Bergrinne zentrierend, über den Grat. Diesmal war der Übergang Lee->Luv nicht so g'schmeidig, war aber noch absolut fliegbar - mit dem Target zumindest *g*

Gassi zog ca. 50m über dem Tausing-Gipfel (1823m) seine majestätischen Kreise, geduldig beobachtend, wie sich der Flug-Newbie Lex so schlug...

Mit etwa 1900m Abflug-Höhe starteten wir Flügel an Flügel dann Richtung Hausberg, wo sich Tom noch immer im Kurbeln versuchte, nachdem er den Anschluss zu uns nicht ganz geschafft hatte.

Per Funk teilte er mir mit, dass er Richtung Weissenbacher Badeteich rauszog und dort landen würde...

Ein letzter Blick zurück zu Hochtausing, Grimming und Dachsteinmassiv.

Dieses kamera-gezoomte und deswegen etwas unscharfe Bild zeigt Toms Endanflug.
Gassi zog über mir hinweg geradewegs Richtung Landeplatz, wo Ulli Lubensky bereits mit ihrem Gin Gliders-Flügel gelandet war.

 

Ich selbst baute im Anflug relativ viel Höhe ab und kam mit etwa 50m über dem Hollerer-Bauern an.
Am Hausberg angekommen schaffte ich wieder knapp den Einstieg in den (wie ich meine) verlässlichsten Thermikbringer des gesamten Heimat-Hügels . Mit konstanten 3.5-4.5m/s gings dann rauf auf exakt 2194m (etwa 1000m Höhendifferenz in einem Bart!).

Nachdem ich Tom aber per Funk zugesagt hatte, dass ich ihn nicht allzu lange warten lassen werde, brach ich meinen Flug ab und ging - zum ersten mal in meiner Karriere - FREIWILLIG landen *g*

Noch ein letzter Blick nach Osten Richting Ennstal und Gesäuse.

Abschließend versüßten mir ein paar feine Wingover und Spiralen den Abstieg.

Blick Richtung Westen ebenfalls über's tolle Ennstal-Panorama hinweg so weit das an diesem Tag etwas getrübte Kameralinsenauge reichte.

Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte...

Fazit: Das Ennstal gehorcht wie so oft nur bedingt den Wettervorhersagen. Aufgrund der Geographie und der dadurch vorherrschenden Talwinde sind auch an Nicht-Flugtagen Gleitschirmflüge durchführbar - ein besonderes Charakteristikum unseres Tales.
Genussflieger haben bei solchen Bedingugen jedoch NICHTS in der Luft verloren! Ein hochkonzentriertes und reaktionsschnelles Fliegen in den Leebereichen ist unabdingbar! Dann eher schon mal einen "Familientag" einlegen :-)

sonstige Facts: Max. Höhe: 2194, max. Steigen: 6.9 m/s, Flugzeit: 1h59, A3: 4848m, Wind in 3000m: 40-60km/h NW; an diesem Tag hätte man locker noch mind. 1.5 Stunden länger fliegen können...

Wenn obige Bilder nicht angezeigt werden, is der www.webby.at-Server leider wieder down - haben derzeit massive Probs mit "Linux-Hackern"; sagen sie zumindest...

Praktischer Überprüfungsflug 01.05.2002:

Um in Österreich legal von Berg zu Berg fliegen zu können, muss man im Besitz eines sogenannten "Sonderpilotenscheins mit Überlandberechtigung" sein. Die Theoretische Prüfung (vorwiegend Navigation, Luftrecht und Dokumentation eines Streckenfluges) bei der Flugschule Wings hatten wir (Sepp, Hans und ich) bereits zwei Wochen früher erfolgreich bestanden.
Sepp war an diesem Staatsfeiertag leider familiär verhindert, sodass nur Hans und ich die Herausforderung annahmen. Bei (fast schon zu) föhnigen Bedingungen war ein kleiner Streckenflug (10 km) vom Sender Kleinerberg (1287m) zurück zum nordwestlich gelegenen Hohen Nock (1963m) und wieder retour von Norbert als Überprüfungsflug ausgeschrieben. Er gab uns keine reellen Chancen die Aufgabe an diesem Tag erfolgreich zu vollenden, da die böige Südströmung zwar einen Flug zum Hohen Nock ermöglichen würde, jedoch praktisch kein Vorwärtskommen drin sei, um den Sender wieder zu erreichen - geschweige denn am Landeplatz den Flug zu beenden.
Hans und ich waren trotzdem optimistisch
und so fuhren wir mit dem Flugschulen-Taxi etwas verspätet zum Startplatz.

Dort angekommen wurden wir von einer hübschen Assistentin nochmals genau eingewiesen und schon machte ich mich startklar - diesmal keine Fun-Fotos, sondern jetzt musste alles passen (zum Glück braucht heute kein Streckenflieger mehr diese veralteten Fotoregeln berücksichtigen - echt ein graus und nur a Stress...)

Weiter geht's, sobald ich die gescannten Fotos von Bäck bekomme... (hat wer ne PCI SCSI-Karte zu verschenken? ;-O )


Gampersberger - Grimming 06.05.2002:

Nachdem ich am 1. Mai 2002 meine Überland-Praxis-Prüfung erfolgreich absolviert hatte und halbwegs streckenflug-taugliches Wetter (SW 15-25 km/h) herrschte, hieß es natürlich sofort AUSRÜCKEN!

An diesem Montag hatte ich mir also extra am Nachmittag Zeitausgleich genommen und war daher erst gegen 13.30 Uhr startklar. Der stramme Südwind blies thermikunterstützend zum Gampersberger-Startplatz hoch und so war Start inklusive "Wegkommen in der Rinne" nicht wirklich ein großes Thema - eher die Art wie es ging: ziemlich turbulent - hart dran bleiben hieß es...

Das Liezener Eck, Schafberg (1932) und Hochtausing hinter mir gelassen, nahm ich bald Kurs auf mein heutiges Ziel: Überflug des Grimmings hatte ich mir vorgenommen!

In einer Höhe von ungefähr 1900m flog ich also geradewegs Richtung Brandangerkogel (1508m), um dort die nötige Höhe für den Thermik-Einstieg am Grimming zu tanken...

Blick auf Wörschach und dahinter östlich ennsabwärts Weissenbach und Liezen, Döllach und Rottenmann.
Die Fernsicht war an diesem Tag zwar nicht berauschend, aber dafür gab die teilweise stark windzerrissene Thermik einiges her:

Mein Variometer hatte an diesem Tag einen maximalen Steigwert von 6.8 m/s notiert - und das wie gesagt windzerrissen!

Gegen die Südwest-Strömung gings bedächtig vorwärts, über das mir zu Füßen liegende Stainach hinweg.

Jetzt hieß es Höhe machen. Ich kam relativ tief am Brandanger an und musste erst etwas am schroffen Fels aufsoaren, bevor ich wie gewohnt loskurbeln konnte.
Doch von der berüchtigten "Glochn" pfiff mir starker Wind aus nordwest entgegen und ich beobachtete, wie sich die Bäume unter mir unrhythmisch gegen meine Flugrichtug bogen...

"Irgendwos passt do net", dachte ich mir Höenströmung SSW - Talwind NW und ich am zerklüfteten Fels vom Brandanger. Denn ich hatte in der äußerst unrughigen Luft wieder viel Höhe verloren. Der Wind drehte und war dermaßen stark, dass ich der Vernunft gegenüber der Leidenschaft den Vorzug gab.

Ich entschloss mich zu landen und suchte mir ein feines Wieserl neben der Johanniskapelle.

Da war ich nun - am Boden wieder alles fast windstill; alles sehr suspekt...
Mit meinem Vorhaben diesesmal gescheitert schielte ich Richtung Grimming-Schartenspitze (2351m).

Froh wieder gesund am Boden zu sein, trat ich nun den Heimweg Richtung Bundesstraße an.

Nein. Es war heute kein Spaß zu fliegen - echt bockhart, praktisch kein halbwegs entspanntes Kurbeln in der Thermik den ganzen Tag über...

Herrlicher Blick auf Grimming und Johanniskapelle.

Eine ortsansässige Autofahrerin las mich am Straßenrand spazierend auf und brachte mich nach Stainach, von wo aus ich von einem netten Celica-Prolo-Pärchen bis zur Jet-Tankstelle nach Liezen mitgenommen wurde - Ein Hoch auf die zivilisierte Kollegialität in Österreich!

"Bald, sehr bald wirst du mir gehören!" - aufgeschoben ist nicht aufgehoben...


Emberger Alm 14.06.2002 (102km):

An einem thermisch guten Juni-Freitag beschlossen Jörg, Gassi und ich unsere Flugaktivitäten mal nach Kärnten zu verlegen, genauergesagt ins Drautal rund um die Emberger Alm in West-Kärnten (ca. 55km westlich von Villach, nordöstlich der Lienzer Dolomiten).

Thermikkarte - Greifberg WEST
Thermikkarte - Greifberg OST
(beide um die 550kB!)
Flight-Log (450 kB)

Hier seht ihr schön den GPS-Log des von Jörg und mir absolvierten Flugs. Die eingezeichneten Kamerapositionen mit den zugehörigen Blickwinkeln sollen bei der Orientierung und Zuordnung der unteren Bilder helfen...

Thermikkarten von ortsansässigen Flugcracks hab ich auch gefunden, damit die Suche nach den Hausbärten in Hinkunft nicht so lange dauert *g*

In Greifenburg angekommen überrascht die perfekte Infrastruktur. Badesee mit Camping- und Landeplatz. Shuttle-Service vom See zum GH Sattlegger, wo auch der Startplatz (1755m) ist - Kostenpunkt: 4 Euro.

Ein Flug-Eldorado nicht nur für GS-Piloten - massig Hängegleiter waren ebenfalls vorort, um die vielversprechende Frühsommerthermik für einen ausgedehnten Streckenflug zu nutzen.
Ohne GPS geht's nicht. Und so gehören natürlich die wichtigsten Waypoints noch vor dem Start eingetragen - vielleicht passt's ja auch für eine größere Strecke...

Gegen 11.00 Uhr versuchten die ersten Streckenflieger ihr Glück im stets zunehmenden Aufwind. Der Startplatz ist ideal: Nur Wiese (gut 60m breit), relativ steil - sollte also auch für Fluganfänger wirklich kein Problem sein...

Zusammen mit anderen Wettbewerbspiloten war unser Staatsmeister Gassner Gerhard bald mal in der Luft und blies zur Thermikjagd. Er hatte einen flaches Dreieck im Gebiet der Kreuzeck-Gruppe und Gailtaler Alpen geplant...

Bild A (links): Hier sieht man schön das Startplatz-Areal - einmal echt sehr angenehm, unter einem nichts als Wald und Wiese vorzufinden, wenn man immer nur schroffen Fels von zu Hause her gewohnt ist - irgendwie fliegt man unterbewusst entspannter...

Bild B: Wie eine Mondlanschaft kommt einem der Blick auf Hochtristen (2536m) und Zweiseentörl (2336m) vor. Die Bärte hier gingen durchwegs mit über 3 m/s weg...

Bild C (links): Dellach und Berg im Drautal aus einer Höhe von etwa 2500m. Dahinter der Reißkofel mit 2371m.

Bild D: Blick auf Zietenkogel (2483m) weiter westwärts Richtung Lienz und Steinermandl (2213m). Aufgrund der äußerst ruppigen Thermik, Der Windverhältnisse (15 km/h SO) und der anstehenden kleinen Querung auf die nächste Kette entschlossen wir uns dort auch umzukehren und die Kreuzeck Gruppe wieder ostwärts abzufliegen - Richtung Millstätter See.

Mit Funk sind solche Koordinationen ja wunderbar möglich. *g*

Bild E (links): Bei guten thermischen Bedingungen und der ausgezeichneten Basishöhe von etwa 3600m sieht man vom Wildseetörl über Scharnick nach Dellach und ganz hinten den Weißensee - aufgrund des etwas diesigen Wetters leider nicht ganz so gut zu erkennen...

Bild F: Blick vom Scharnik Richtung SSW auf den 2090m hohen Schatzbichl.

Bild G (links): Diesmal etwas höher angekommen sieht man wieder auf den Hochtristen und die dahintergelegenen Hohen Tauern.

Bild H: Nun schon etwas besser zu erkennen: Der Startberg Emberger Alm - Westansicht; an dessen Fuße Greifenburg mit Camping-/Badesee und dahinter die Gabelung Drautal<->Weißensee

Bilder I:Weiter ging's über Gaugen (2195m) und Stagor (2289m) Richtung Milstätter See - ein wahrhaft herrlicher Anblick!
Den letzten Bart vom Törl (2048m) nicht wirklich hoch ausgekurbelt (Abflughöhe ~2800 m) hatte ich bei der Drautal-Querung zum Millstättersee wieder etwas mit dem Thermikeinstieg am Alpenbühel zu kämpfen. Ich kam bei etwa 1300m an: sehr tief...
Einerseits froh, dass es wieder etwas wärmer wurde anderseits etwas gestresst, da ich um keinen Preis hier absaufen wollte; aber alles ging glatt: nach ein paar 8ern am Hang zog mich ein turbulenter Leebart bis über die Spitze hoch - geschafft! Wieder rein unter die Wolke und weiter ging's...
Bild J:...schließlich stand ja schon die nächste Herausforderung an: Der Sender am Goldeck (2142m)!
Bild K: Ich umflog den Sifflitz-Graben zuerst nordseitig über den Sender, um auf dessen teilweise schon abgeschatteter Südseite über Staff (2217m), Latschur (2236m) und Hochtraten (1646m) wieder zurück zum Campingsee zu gelangen.

Bilder L: Dabei bot der Anblick des Weissensees das optische Highlight an diesem Tag - das leider wieder mal überhaupt nicht auf den Fotos zu Geltung kommt; deswegen: selber fliegen! *g*

Das Bild rechts zeigt die Mündung des Weißenseetals in das Drautal sehr schön. In der Nachmittagssonne ein herrlicher Anblick...

Bild M: Schön langsam genug Höhenluft geschnuppert! Es war ein perfekter Flugtag!
Also nix wie hin zum Badesee, ein bisschen chillen.
Bild N: Mit Fullspeed gings unter den Wolken vorbei an der Grafenwegerhöhe (1441m) - die Felsschlucht sieht echt markant, und fast schon unwirklich aus - ...
Bild O: ...hin zum Campingplatz, wo noch genug Höhe für massig WingOver, Spiralen und ein kleines Sicherheitstraining blieb...

...bevor ich voller Endorphine am Landeplatz einschwebte. Jörg war bereits vor mir gelandet. Gassi folgte kurz nach mir - er hat sein Streckenvorhaben aufgrund der schlechten Windverhältnisse abgebrochen und ebenfalls einen Genußflug unternommen.

So warfen wir drei uns noch ein Weilchen an den Camping-Badesee, aßen Eis und tranken ein, zwei Bierchen auf diesen fantastischen Flugtag, der die fast zweistündige Anreise mehr als rechtfertigte.

Greifenburg bot die bisher beste Flug-Infrastruktur der von mir bisher begutachteten Fluggebiete - und das wird von der Fliegerszene auch voll honoriert. Der Campingplatz war ausgebucht. Geschätzter Fliegeranteil: >75% mit Kind und Kegel... Prädikat: Äußerst empfehlenswert!

Einige Fotos auch von Jörg. Eine ideale Ergänzung, da wir praktisch dieselbe Route geflogen sind..


Stoderzinken (Gröbming) - Nazogl (Liezen) 20.08.2002 (75km; Ziel-Rück):

Fotos leider mit der alten Spiegelreflex-Kamera gemacht. Film muss erst ausgeschossen, entwickelt und dann gescannt werden...


8. Rottenmanner-Tauern Adventure Race 25.08.2002:

Gleich am darauffolgenden Wochenende sollte mein nächstes großes Saison-Highlight steigen: Die Teilnahme in einem Hobby-Team beim 8. Rottenmanner-Tauern Adventure-Race! - Ein Staffelbewerb in den Disziplinen Mountain-Bike, Berglauf, Paragleiten, Radfahren und Laufen (nähere Details bitte obigem Link entnehmen).

Von der "Gleitschirmgruppe Liezen" waren insgesamt vier Piloten am Start: Kerschbaumer Thomas, Stieg Jörg, Luiki Christian und meine Wenigkeit.

Vom Team der "Naturfreunde Bärndorf" wurde ich als Paragleiter verpflichtet. Mit mir am Start: v.r.n.l. Alois TADLER (Radfahren), Herwig KAINBRECHT (Berglauf), Markus BURGHAUSER (Mountain-Bike), Helmut RINGDORFER (Laufen).
Lois kannte ich noch von meiner Eltrona-RKT-Zeit her, die anderen Jungs sah ich bei der Nudelparty am Vortag zum ersten mal...
Um 10.00 Uhr hieß es Abfahrt vom Rottenmanner Hauptplatz bis zur Talstation der Materialseilbahn der Rottenmanner Hütte. Die Taxi-Fahrt und die anschließende Wanderung mit Ulli Lubensky gestaltete sich echt witzig (lacht für ihr Leben gern *g*) und so verflog die Zeit bis rauf zur Hütte.
Oben stieß dann auch Kerschbaumer Tom mit Frau und Nachbarin zu uns. Nach kurzer Pause traten wir dann den Weg über die Hochhaide Richtung "Stein am Mandl" (Startberg) an - ein echt beschwerlicher 50 Minuten-Aufstieg.
Kaum zu glauben, dass sich der beste Bergläufer hier in einer Rekordzeit von 27.36 Minuten hochplagte - und das bei dieser Affen-Mittagshitze...

Als wir den Gipfel erklommen hatten, waren die meisten Piloten schon längst oben angelangt und hatten bereits Ihre Schirme und Taktiken zurechtgelegt:
Beim Briefing um ca. 13.30 wurden die Regeln nochmal kurz erläutert:
Mit umgehängtem Rucksack musste eine etwa 80m lange "Alpin-Gerade" bergabwärts gelaufen und eine "Boje" umrundet werden, bevor man sich den Startplatz am ganzen Gipfelareal frei aussuchen konnte.
In der Landezone waren zwei Landepunkte. Wurden diese verfehlt musste man mit gesamtem Equipment eine Strafrunde (ca. 80 m) absolvieren, bevor man seine Armschleife an den Radfahrer übergeben durfte...

Die Profis standen bereits in voller Adjustierung (Helm auf, Gurtzeug an, Schirm & Speed-System eingehängt und lediglich in den Packsack gelegt) am Start...

Ich - als Newbie in der Wettkampf-Szene - dachte mir, dass das kaum was bringt ausser die Gefahr, dass man sich mit massig Problemen beim Entwirren der eventuell verhedderten Leinen konfrontiert sah.
Ein Irrtum, wie sich später zeigen sollte...

Kerschi als alter Wettkampf-Hase hatte ebenfalls genau die oben geschilderte Taktik und zog seinen Lady-Glider (Pro-Design Effect) ruckzuck aus dem Packsack - umgedreht, aufgezogen und ab ging's - geschätzter Zeitbedarf vom Absetzen des Rucksacks bis zum Abheben: 30 Sekunden. Perfekt.

Es herrschten ausgezeichnete Rückwärtsstart-Bedingungen (ca. 15-30 km/h aus SSW), die sogar einen Piloten mit ins Lee rissen - sah weniger gut aus...der Pilot blieb aber weitgehend unverletzt.
Kerschis Fazit: Aussenlandung (im Publikum) Zeit: 11.39.7; 11. Einzelwertungsplatz.

Jörg ebenfalls ein Wettkampf-Typ par excellence wandte dieselbe Taktik an: Nicht lange fackeln; raus das Ding, aufziehen, ausdrehen und airborn...

Fliegt man erst mal, hat man den Kogel am Gipfel in etwa 15-30 Sekunden (je nach Wind) umflogen. Anschließend konnte man sofort die Jagd ins Tal aufnehmen. (Das hatte ich ebenfalls überschätzt - deswegen auch meine andere Startplatzwahl)
Jörg's Fazit: Aussenlandung; Zeit: 10.30.3; 9. Einzelwertungsplatz - Spitze!

Von Kerschi hatte ich mir die Aerodynamik-Variante mit dem Langlauf-Set schmackhaft machen lassen und lief nach der Boje noch ca. 300m (!) weiter westlich. Dort hatte ich nämlich zuvor einen super Startplatz ausgemacht. An dem alten Herrn vor mir schoss ich vorbei wie ein Windhund! Doch das hohe Tempo forderte Ihren Tribut - auf den letzten Metern brach ich etwas ein. Gut. Endlich angelangt. Zeugs raus! Aufgelegt, Helm auf, Gurtzeug an, Schirm aufgelegt und Leinen sortiert. Dann konnte ich meinen Augen nicht Trauen - am Vortag noch vom Stoder nach Liezen geflogen, hatte mir GGL-Sepp beim Schirm zusammenlegen geholfen...

...und - Zufall oder nicht - genau auf dieser Seite hatte sich ein Ästchen wunderschön in den Leinen verhakt. "Des kaunnn jetzt oba net sein", dachte ich und hatte zum Glück schnell wieder alles bereinigt. Nun erst Schirm und Speed-System einhängen - erst jetzt war ich so weit, wie die Cracks bereits nach 10 Sekunden waren *heul*
Egal: Alles passt - aufgezogen und unter tosendem Applaus der Rottenmanner Tifosi schwang ich mich in die Lüfte...

...und wer war vor mir? Der alte Herr von vorhin - Schande!
Die böige Bergbrise riss mich förmlich vom Boden weg. Ich drehte sofort bergwärts ein und schoss mit einem kleinen Wingover über den Grat ins Tal (*geil*)!

Ab dann passierten keine Fehler mehr - im Gegenteil - alles lief perfekt!

Mit "angelegten Ohren" und voll durchgetretenem Speedsystem schoss ich ins Tal. Ich versuchte mich so lange wie möglich (im etwas turbulenten) Lee-Bereich zu halten - mit Erfolg! Die anderen Piloten hatten talmittig bereits mit großem Steigen zu kämpfen, während ich unter ihren Nasen steil ins Tal glitt. Im Lee dann noch ca. 200m abspiralt und wieder mit Fullspeed und "Big Ears" Richtung Landeplatz. Ich hatte bereits 4 Flieger hinter bzw. "ober" mir gelassen, als ich auf die Landezone zuflog (Sie bauten leeseitig(!) ihre Höhe ab und hatten dann natürlich Probleme überhaupt erst in die Landezone zu kommen! Schwer verschätzt...). Ich visierte vorerst nur die Landezone an, dann sogar den Punkt, gab ca. 5 m über Grund die Stabilos frei. Mit undeformiertem Flügel und ohne großen Schlenker setzte ich am 1,5x1,5m-Punkt auf!!!
Und das obwohl ich überhaupt keine Ziellandung geplant hatte - also stets "äußerst effizient" geflogen bin!
Das hatten an diesem Tag nur 7 Piloten von 41 geschafft...

Trotz dem, dass zwei meiner GGL-Kollegen (Kerschi und Jörg) nicht mal die Landezone erreichten, wirkte sich das nur marginal auf deren Zeit aus. Denn die 80m mit Equipment waren kaum mit Zeitverlust (ca. 30s) verbunden.
In der Einzelwertung bedeutete dies für mich den 21. Platz. Vor der Teilnahme war für mich ein "nicht-letzter Platz" schon wie ein Sieg - aber nun kam doch etwas der Ehrgeiz und somit der Ärger durch, die falsche Start-Taktik gewählt zu haben.
Doch beim anschließenden Stadtfest am Rottenmanner Hauptplatz war der Ärger schnell verflogen und wich einer gewissen Zufriedenheit. Nämlich der, dass der Flug selbst fast perfekt war und eine Punktlandung bei einem so hochkarätig besetzten Rennen wie diesem für einen "one-year-experienced" Piloten wie mich eine echt famose Leistung ist...

Danke an Tom Ploder (Eishockey-Käptn), der die Shots gemacht hat.

Dune de Pyla 16. - 20.09.2002:

Lange hatten Bäck und ich schon einen Gleitschirm-Urlaub für Anfang Herbst geplant. Trotzdem ist es uns irgendwie gelungen, die Planung wieder mal bis auf den buchstäblich letzten Tag hinauszuzögern. Am Vorabend saßen wir also gemütlich beisammen und phantasierten von möglichen Urlaubszielen: Meine Präferenzen gingen eher Richtung Dolomiten um nocheinmal ordentlich aufzukurbeln; Bäck hingegen - schon lägere Zeit nicht mehr geflogen - zog Küstensoaring vor.
Nachdem wir aber schon im Frühsommer schlechte Erfahrungen mit der Fluggebietsuche in Kroatien gemacht haben (super Küsten, aber kaum Start- und schon gar keine Landemöglichkeiten...), durfte es diesmal keine "Auf gut Glück-Aktion" werden.

So existierte schon seit längerem der Traum vom Soaring an der Atlantikküste nahe des kleinen Städtchens "Pyla sur mèr", ca. 60km westlich von Bordeaux. In dem absolut coolen Amateurvideo PARANOID frönten die damaligen Protagonisten stundenlangem Dünensoaring mit total verrückten Flugeinlagen (bzgl. Video bei Bäck erkundigen).
Die Daten: mit 2,1km Länge und 146m Höhe stellt die Dune de Pyla die höchste Sanddüne Europas dar.

Ein Blick in's Internet spuckte sage und schreibe 1820 km und geschlagene 17 Stunden Reisezeit aus. "Des start ma an!" - Schließlich waren wir ja zu zweit: Er sowieso LKW-Fahrer und ich hatte auch noch nie Probleme mit Schlaf hinterm Steuer. Wetter auch wolkenlos - IDEAL!

Gut gestärkt ging's vom Bischofsberg (Windischgarsten) gegen 15.00 Uhr Richtung Frankenland - natürlich mit Bäckens "Franzosn" (=Peugeot 405), da im Falle eines Falles der Support sicher besser ist als mit meinem Benz ;-)
Wie absehbar, waren wir um ca. 7.30 vor den Toren unseres Campingplatzes "Camping-Panorama".
Kamerainterene Fotomontage ("Coupling-Shot") mit meiner neuen CASIO QVR3 Digicam - mit der ich höchstzufrieden bin!

Wir haben uns vorab via Internet den interessantesten Campingplatz herausgepickt - mit Sauna, Whirlpool und allem, was man als strapazierter Soaring-Freak so braucht. Der Preis von € 3,--/Person und Tag ist gemessen an den gebotenen Leistung mehr als OK - und das nicht nur zur Nachsaison...

Einen Zeltplatz gesucht, die Sachen verstaut und rauf ging's zur Düne, die über unseren Campingplatz wirklich sehr gut zu erreichen war.
An der Dünenkante angelangt trafen wir auf die Jünger der englichsprachigen lokalen Flugschule.

Vom Instructor Mike erfuhren wir dann auch die (nicht so) rosigen Wetteraussichten für die nächsten Tage: LANDWIND! Was, wie, wo?
Eigentlich gingen wir davon aus, dass der See-Wind einem Tagesrhythmus unterliegt. Vereinfacht gesagt: "Land erhitzt sich untertags und saugt Luft vom Meer. Abends das umgekehrte Spiel". Doch wir hatten die Rechnung ohne das Spanien-Tief gemacht, das an unserer Küste Winde von SO bis NO verursachte und noch dazu nach Frankreich unterwegs war :-(
Ich war mit meinem Pro-Design Contest und Bäck mit dem Pro-Design Compact (DHV 1-2, BJ. 94 inkl. 4 Risse am Ober- und Untersegel von je 5-15cm) am Start.
Den ganzen Nachmittag mit netten Aufziehübungen verbracht, gelang Bäck später doch noch ein netter 30s-Soarer...

...beschwerlicher Aufstieg in tiefem Boden natürlich inklusive!

An diesen Aufnahmen erkennt man sehr schön, dass sich die Düne Stück für Stück weiter landeinwärts "frisst". Pro Jahr etwa 2m.

Etwas enttäuscht von der "falschen" Windrichtung und den 5-10 km/h zu schwachen Winden, traten wir mit der dort kennengelernten "Piefke-Karawane" den Weg Richtung Camping-Platz an.

Sehr schön war die vom Wind geprägte Wellenoberfläche der Dünen. Die Abendsonne tauchte den feinkörnigen, weißen Sand in ein glühendes Rot.

Das linke Foto ist ebenfalls ein kamerainterne Fotomontage namens "Pre-Shot", bei dem zuerst der Hintergrund aufgenommen und dann erst die Person im Vordergund "hineinmontiert" wird. Genial!

Am Abend machten wir es uns noch mit einem Tequila-Dosenbier in unseren Zeltstätten gemütlich. Bäck zog es vor, in seinem ultracoolen Campingsessel unter dem Sternenzelt zu nächtigen, anstatt mit mir das Dreimannzelt zu teilen. Mir war's recht...

Am Mittwoch hatte der Wind auf S bis SW gedreht. Endlich konnten wir daran denken Richtung Meer zu starten. Der linke "Coupling-Shot" zeigt zwei Ösis beim diskutieren über die besten Startmöglichkeiten an der Düne. Jeder fotografiert den anderen und die Kamera fügt das ganze zu einem Bild zusammen - ich liebe dieses Kamerafeature...

Vor der netten Cumulus-Kulisse im landinneren führten die ersten Aufziehtests...

...zu den ersten Startversuchen...

...die sogar zu kurzen Gleitern an die Küste genutzt werden konnten. Eben doch etwas zu schwacher Wind - leider!
Mein Schirm hatte an diesem Tag so viel Sand geladen gehabt, dass der nur mehr mit offenen Trimmern startbar war!!! Dementsprechend war auch die Gleitleistung nicht berauschend.

 

Den windtechnisch wieder weniger geeigneten Mittwoch nutzten wir zu einem ausgedehnten Dünenspaziergang.

Am Südende der Düne stießen wir auf fünf teils versunkene Geschütztürme aus dem 2. Weltkrieg. Verziert mit Graffitti, bewachsen mit Algen - und ein Franzmann davor, der seine Angel auswirft. Idyllisch

Dieser Blick Richtung Norden verdeutlicht die Länge der Düne: Unser Campingplatz und der fliegbare Dünenabschnitt liegen hinter dem grünen Waldbereich.

Etwas frustriert von den schlechten Wetterverhältnissen konsultierten wir noch das Internet bzgl. Wetterprognose für die nächsten Tage: Düstere Aussichten. Das Spanien-Tief sollte uns in den nächsten Tagen erreichen. Wind vom Land - und der zu schwach :-(

Da es zwar sehr idyllisch am Strand war, aber wir eigentlich zum Fliegen hierher gekommen waren, beschlossen wir nach nur 3 (!) Tagen die lange Heimreise wieder anzutreten. Trotzdem waren die Eindrücke bleibend und es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir dem Sandberg eine Visite abstatteten.

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